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„Hat jemand die Demo gesehen?“ oder warum Protest unsichtbar bleibt

Am vergangenen Wochenende hat in Washington der G20-Finanzgipfel stattgefunden. Normalerweise sind Gipfel dieser Art, die viele Staats- und Regierungschefs zusammenbringen und auf denen über die Finanzarchitektur der Welt diskutiert wird, immer auch ein Anlaufpunkt für Demonstrationen. Die vergangenen G8-Gipfel waren immer auch gezeichnet vom Protest. Doch schaut man rückblickend auf das vergangene Wochenende, wird auffallen, dass in nahezu keinem Medium auch nur einmal das Wort von Protest oder Demonstration zu finden ist. Gab es keinen?

Doch es gab – aber, und das ist gleich vorweg zu stellen, er war klein. Es gab keine Tausenden auf den Straßen in Washington, eher ein paar Hundert. Dennoch sind auch die nicht aufgefallen. Auch die Proteste in den Hauptstädten anderer Länder waren kein Thema, nicht mal attac brachte es mit seinen Aktionen in Deutschland in die hiesige Presselandschaft.

Wie immer gibt es für solche Nicht-Präsenz mehrere Gründe. Dazu gehören der reformatisch angelegte Ansatz des Gipfels an sich, der durchaus in seiner Zielrichtung vielen ‚alten‘ Forderungen der Zivilgesellschaft ansprach. Dazu gehörte, dass an manchen Orten der Protest sehr klein und wenig plakativ war. Dazu gehörte auch, dass in Washington die Demonstranten von der Polizei in Gebiete weit entfernt vom Ort des Geschehens abgedrängt wurden.

Einer der Hauptgründe aber ist: die involvierten NGOs haben schlichtweg eines vergessen: zu dokumentieren und zu verbreiten. Im Netz fand sich am Wochenende auf den Homepages der beteiligten Organisationen nahezu überhaupt keine Berichterstattung über die Proteste. Am Montag kamen vereinzelte, kurze Berichte und Stellungnahmen. Aber mehr auch nicht. Damit zeigt sich einmal mehr wie wichtig die Dokumentaion der eigenen Arbeit ist: was nicht nach außen dringt, ist nicht passiert. Der Aufwand für jedwede Form der Organisation kann dann auch gleich eingespart werden, weil der Außeneffekt gleich Null ist.

Was also ist zu beachten?

1. Wer organisiert, hat keine Zeit für die Dokumentation. Immer jemanden bestimmen, der nur die Aufgabe der Dokumentation übernimmt. Diese Person ist verantwortlich dafür, dass es hinterher Bilder, Videos und Berichte von der Aktion gibt.

2. Was passiert mit der Dokumentation? Sie muß so schnell wie irgendwie möglich verbreitet werden. Das bedeutet: Fotos müssen ins Internet gestellt werden, ein erster Bericht in den Blog. Eine Pressemitteilung geschrieben und verbreitet werden. Später mögliche Dokumente vom Event auf die Homepage etc. Auch hierfür müssen die Verantwortlichkeiten klar sein – erst Recht am Wochenende.

3. Bis ich zu Hause bin, ist doch schon alles vorbei. Das kann durchaus sein, denn gerade tagesaktuelle Medien brauchen schnell Informationen und BIlder. Und falls kein Medienfotograf vor Ort war, muß mit eigenen Bildern gearbeitet werden. Doch die technischen Möglichkeiten sind heutzutage unbegrenzt. Sei es das naheliegende Internetcafe oder gleich der Internetzugang mit Handy oder Laptop via mobilem Zugang (UMTS). Bilder von einer Demonstration oder Aktion können inzwischen nahezu in Echtzeit ins Internet übermittelt werden. Videos gar live übertragen werden (z.B. über Qik). Die benötigte Ausrüstung ist heutzutage auch für kleinste NGOs erschwinglich und eine nützliche Investition.

Das es auch anders geht, hatten bereits zu Wochenbeginn britische Organisationen bewiesen. Sie sorgten für ein gutes Medienbild indem sie Premierminister Gordon Brown in ein Bett in die Londoner City verfrachteten und ihm so einen deutlichen Weckruf mit auf den Weg nach Washington gaben. Das Bild wurde in zahlreichen britischen Medien abgedruckt.

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