Kurz notiert (16.04.2008)

Utopia – das Internetportal für den strategischen Konsum – sorgt mit einer Kampagne für den Wechsel zu einem Ökostromanbieter für reichlich Wirbel. Die Seite hatte im Rahmen der Kampagne ein Ökostrom-Spiel unter dem Titel „Wechseln mit Wolfgang“ mit einem Bild des ehemaligen Arbeitsministers und jetztigen RWE-Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Clement versehen. Selbiger fand dies offenbar nicht so witzig und liess durch seine Anwälte eine Abmahnung an Utopia schicken. Angegebene Streitsumme: 400.000 Euro. Herr Clement scheint leider weder Spaß zu verstehen noch die Folgen in Betracht zu ziehen: mehr Publicity für Utopia und damit mehr Ökostrom-Kunden, die im Rahmen der Kampagne wechseln werden.

Wer derweil bei seinen täglichen Recherchen im Internet etwas gutes tun will, dem sei die neue Ökosuchmaschine Ecocho ans Herz gelegt. Die Betreiber versprechen, dass sie zwei Bäume für jeweils 1000 Anfragen pflanzen werden – finanziert durch Werbung. Echocho bietet die Suche über Google oder Yahoo an, nutzt also keine eigene Technologie.

In diversen Blogs wurde in den letzten Wochen schon viel über die Idee eines SocialCamps diskutiert. Nun wird es tatsächlich stattfinden. Unter der noch etwas diffusen Beschreibung „60 Online-ExpertenInnen und 60 VertreterInnen gemeinnütziger Organisationen entwickeln zusammen neue Lösungen für eine bessere Welt“ sollen die Beiteiligten am 14. und 15. Juni 2008 im selfHUB in Berlin-Kreuzberg zusammentreffen. Eine erste Registrierung ist bei mixxt möglich. Regelmässige Updates werden auch bei Helpedia veröffentlicht.

Kampagne gegen japanischen Walfang erfolgreich

Die Frage, ob eine Kampagne erfolgreich war oder nicht, ist häufig umstritten. Die meist hochgesteckten Ziele der Kampagnenmanager selbst, werden nur in den seltensten Fällen erreicht (Dauerbeispiel Brent Spar). Der Erfolg muss mithin auch an anderen Faktoren abgelesen werden: die Wahrnehmung in den Medien, die Mobilisierung eigener Unterstützer, die Gewinnung neuer Interessenten und die zumindest teilweise Erreichung des Kampagnenziels.

Seit Jahren kämpfen diverse Umweltschutzorganisationen gegen den Walkampf durch die japanische Walfangflotte. In diesem Jahr ist es ihnen gelungen den Fangerfolg der Japaner deutlich einzugrenzen. Nur ca. 40 Prozent der geplanten Quote wurde gefangen. Ein Erfolg für die beiden federführenden Organisationen Sea Shepard und Greenpeace?

Deren ursprüngliches Kampagnenziel ist die Verhinderung des kompletten Walfangs. Dies ist nicht gelungen. Doch die Erfolgsquote ist gewaltig: 60 Prozent weniger Wale wurden gefangen, zudem kommt auf Grund dieser Meldung (die übrigens vom japanischen Amt für Fischerei selbst herausgegegeben wurde) ein gewaltiges Medienecho. Weiterlesen

Twitter für Kampagnen und NGOs

Der Mikroblog-Anbieter Twitter gilt in den USA für viele Webnutzer bereits als DIE neue Killerapplikation und wird bereits von Hunderttausenden von Privatnutzern als auch von Institutionen oder NGOs bzw. in der Kampagnenarbeit genutzt. In Deutschland ist Twitter noch weitgehend unbekannt und wird derzeit hauptsächlich von webaffinen Privatpersonen und Bloggern genutzt.

Was ist Twitter?

Erfolgsgeschichte twitter.com?Vom Selbstverständnis her soll Twitter Freunde und Bekannte über die kleinen und großen Ereignisse des täglichen Lebens informieren: Lenneth lässt die Welt wissen: „Nach 11, und ich kann immer noch nicht aufstehen. Ich brauche Tee.“ Fernando_johann fühlt sich „manchmal wie in einem Film“. Und das auf Englisch, Russisch oder Spanisch. Außer solchen Alltäglichkeiten werden aber auch aktuelle Nachrichten, Gerüchte oder Links blitzschnell verbreitet: sekundenschnelles virales Marketing quasi, Kommentarfunktion inklusive.

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Abnehmen mit ‚Speed‘: Aktivisten foppen TV-Journalisten

Klingt abgefahren. Ist es auch. Stimmte nur nicht. Dass „Tim“, Interviewpartner in der gestrigen Sendung des ARD-Lifestylemagazin „polylux„, mit Hilfe der Droge Speed abspecken will, war frei erfunden. Das Kommando „Tito von Hardenberg“ aus dem Umfeld der Hedonistischen Internationalen jubelte den TV-Journalisten den Interviewpartner unter, um a) die oberflächlichen Recherchemethoden zu entlarven und b) darauf hinzuweisen, dass in „so genannten Leistungsgesellschaft ein nicht normgerechter Körper ein Ausschlusskriterium darstellt“. Polylux will dem „falschen Protagonisten kein weiteres Forum bieten“ und hat deshalb den Videoclip von seiner Webseite genommen. Bei Google Video ist es noch zu sehen, ebenso das Bekennervideo auf Youtube:

Bedenklich zu sehen, wie einfach es offensichtlich ist, seine Themen zu platzieren, wenn sie nur abseitig genug sind – flux erhebt es Polylux zum Trend. Reaktionen auf die Aktion sind gemäßigt bis mitleidig: von „klingt wie ein Krimi“ bis „dumm gelaufen„. Lustig, dass andere Seher den gleichen Eindruck hatten wie ich: Unglaubwürdiger als „Tim“ war der zweite Interviewpartner, ein Student, der seine Hausarbeiten nur noch mit Speed schreiben kann (wenn er nicht gerade auf Ritalin ist).

Back to School: Größte Schulstunde der Welt

Die Globale Bildungskampagne will ins Guinness Buch der Rekorde und mobilisiert dazu ihre Unterstützer in 150 Ländern für die Größte Schulstunde der Welt. Am 23. April soll ab 10 Uhr weltweit Unterreicht zum Thema „Gute Bildung für alle“ stattfinden. 30 Minuten muss der Unterreicht dauern, damit er zum Rekordversuch gezählt werden kann. Die deutsche Sektion der Bildungskampagne hat dafür extra Unterrichtsmaterial produziert. Die Messlatte liegt verhältnismäßig niedrig: 2 Millionen Menschen müssen mitmachen, um den Rekord von 2003 zu brechen. Es soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass 70 Millionen Kinder und 774 Millionen Erwachsene keine Bildung genießen. Bis 2015 soll es aber „Bildung für alle“ geben, so das UN-Millenniumsentwicklungsziel 2.

Indische Jugendliche stehen auf gegen ArmutWeltrekorde gegen Armut liegen offensichtlich im Trend, dabei hat sich an den rekordverdächtigen Armutszahlen wenig geändert. 2006 und 2007 haben die UN Millenniumkampagne und der Global Call to Action Against Poverty (GCAP) zum „Stand Up“-Weltrekord gegen Armut aufgerufen. 43,7 Millionen waren im vergangenen Jahr dabei. Die Zahl von 66.000 Aktivisten in Deutschland nimmt sich geradezu bescheiden aus gegen 18,6 Millionen in Indien. Wie die freiwillig die Teilnehmer dort mitgemacht haben… entscheidet selbst (Foto rechts). Noch nicht im Guinness-Buch eingetragen ist der Rekord: „Häufigste Wiederholung eines Rekordversuchs gegen Armut“. Lang kann es nicht mehr dauern.

Flashmob: Adidas, aufwachen!

Mit einem kurzen, spontanen Schläfchen in einem Berliner Sportgeschäft haben rund 20 Aktivisten mit einem Flashmob („Blitzdemo“) gegen die Arbeitsbedingungen in internationalen Sportkonzernen protestiert. „Mit Blick auf die Olympischen Spiele in Peking wollen wir darauf aufmerksam machen, dass viele Konzerne ihre Profite auf unmenschliche Weise erwirtschaften“, sagte Berndt Hinzmann von der Entwicklungshilfeorganisation Inkota dem Berliner Tagesspiegel.

Die Demonstranten hatten sich im Internet zu der Aktion verabredet, trafen sich wie „zufällig“ in dem Geschäft und legten sich auf ein Zeichen hin alle gleichzeitig schlafen: auf dem Boden oder an Kleiderständer gelehnt. Nach wenigen Minuten wachten die Aktivisten auf ein Signal wieder auf. Zurück blieben verwirrte Mitarbeiter, irritierte Kunden und ein gehöriges Presseecho: außer dem Berliner Tagesspiegel berichteten unter anderem auch die taz, die WELT (mit netten Fotos) und die Netzeitung über die Aktion.

Eine fantastische Idee, wie man mit einfachen Mitteln Öffentlichkeit herstellen kann… und Flashmobs sinnvoll nutzen kann (und nicht nur zehntausende Hamburger in Fast-Food-Läden bestellt) .

Zum Demonstrieren nach Kuba

Online-Demo von RSF… auf KubaDie Organisation „Reporter ohne Grenzen“ (ROG) hat heute den ersten „Internationale Tag der freien Meinungsäußerung im Internet“ ausgerufen. Surfer können 24 Stunden lang symbolisch an neun Orten der Welt gegen Zensur im Internet demonstrieren, an denen sonst keine freie Meinungsäußerung möglich ist. Zur Wahl stehen virtuelle Nachbauten des Tiananmen Platzes in Peking, des Revolutionsplatzes in Kuba oder die Straßen von Rangun in Burma.

Die Aktion sei eine Antwort auf die wachsende Tendenz Blogger zu verfolgen und unliebsame Webseiten zu schließen. Nach Angaben von „Reporter ohne Grenzen“ sitzen derzeit mindestens 62 Cyber-Dissidenten weltweit in Haft. Gleichzeitig wurden im vergangenen Jahr mehr als 2.600 Webseiten, Blogs oder Foren geschlossen.

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Warum?

Kampagnen werden in der heutigen Zeit gerne als Allheilmittel in der Interessensvertreung und –vermittlung angesehen: sei es von Parteien, Unternehmen oder Nichtregierungsorganisationen. Schlagwörter wie Werbe-, Presse- oder Wahlkampagne belegen dies. Dabei sehen sich Organisatoren von Kampagnen mit immer größeren Schwierigkeiten konfrontiert: der Kampf um das Gut Aufmerksamkeit wird härter. Die Bindung von Personen an Organisationen oder auch Güter lässt beständig nach. Gleichzeitig sind Kampagnen heutzutage gezwungen sich den Herausforderungen und Möglichkeiten der globalen Vernetzung zu stellen. Eine Kampagne ohne Online-Unterstützung ist nahezu unvorstellbar.

Dieses Blog will die neuesten Entwicklungen im Bereich der Kampagnen begleiten. Im Focus stehen dabei politische Kampagnen mit einem Schwerpunkt im Bereich Entwicklungspolitik. Es sollen neue Trends vorgestellt, Beispiele aus der Praxis analysiert und Hinweise auf erfolgreiche Verfahren gegeben werden.

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