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Fussball EM und Zivilgesellschaft

Vom 7. bis 29. Juni findet die Fussball Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz statt. Viele NGOs nutzen solche Großveranstaltungen, um ihre Interessen in die Öffentlichkeit zu bringen. Wir haben einen ersten kurzen Streifzug durch das Internet unternommen, um hier kurz Kampagnen vorzustellen, die dieses Thema aufgreifen.

Die Organisation Viva con Agua de Sankt Pauli, die Trinkwasser-Projekte in Afrika und Lateinamerika fördert, nutzt bereits die Wochen vor der EM für ihren Wasser!Marsch 2008. Selbiger führt 7 Aktivisten im Laufe von 39 Tagen von Hamburg bis nach Basel, in die Stadt des EM-Eröfffnungsspieles. Zu Fuß und mit einem afrikanischen Lastenfahrrad machen sie dabei in zahlreichen deutschen Städten Station, wo jeweils auf lokalen Veranstaltungen um Unterstützung für ihre Projekte gebeten wird. Mit dabei sind auch immer wieder prominente Sportler und Musiker. Sicherlich ein guter Schachzug bereits deutlich im Vorfeld der EM dieses Thema mit dem eigenen Anliegen zu verknüpfen – bevor es im sportlichen Taumel der eigentlichen Veranstaltung untergeht. Gelungen auch die Verknüpfung der Aktionen auf der Straße und der Aufarbeitung im Netz: auf der Homepage von Viva con Agua gibt es eine Tagebuch von der Reise und auch die ersten Videos stehen schon bereit. Selbst einen eigenen Soundtrack zur Aktion bietet die Organisation auf.

Das Netzwerk Fußball gegen Rassismus in Europa (FARE) wird mit Unterstützung der UEFA vor Ort in den EM-Austragungsstädten mit ihrem Antirassismusprogramm aktiv sein. Erklärtes Ziel ist es, die positive Botschaft des Kampfes gegen Diskriminierung innerhalb und außerhalb der Stadien zu vermitteln und für sie zu werben. FARE möchte Fans, die örtliche Bevölkerung und ethnische Minderheiten durch Streetkickturniere, Fanversammlungen und den Vertrieb von Fanzines erreichen. Zudem unterstützt die Organisation die sogenannten Fanguides, die von Fans für Fans erstellt wurden und für ein friedliches Miteinander werben.

Ein ganz anderes Thema versuchen Schweizer Organisationen, wie etwa die dortige Sektion von amnesty international, mit ihrer „Kampagne Euro 08 gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution“ im Rahmen der EM in die Öffentlichkeit zu bringen. Die Kampagne will eine grosse Öffentlichkeit über Frauenhandel im Sexgewerbe informieren und setzt sich für einen verbesserten Opfer- und Zeuginnenschutz ein. Die bisher eingesetzten Kampagnen-Werkzeuge sind allerdings eher klassischer Natur: Unterschriftenaktion, Postkarten, Broschüren. Videospots sind aber schon angekündigt, bisher jedoch offenbar nicht im Netz.

Keinen alleinigen Bezug auf die EM nimmt die Kampagne für saubere Kleidung, die stattdessen einen Sportsommer 08 ausgerufen hat, der auch die Olympischen Spiele im August in Peking mit in ihre Aktivitäten aufnimmt. Inhaltlich geht es um Schritte zur Verbesserung von Löhnen und Arbeitsbedingungen in der globalen Sportbekleidungsindustrie. Dazu besuchten Aktivisten z.B. die Aktionärsversammlung von Puma, um dort kritische Nachfragen zu stellen. Der Schwerpunkt der weiteren Aktivitäten, die unter dem Slogan Play Fair ablaufen, liegt in der öffentlichen Aufklärungsarbeit, insbesondere rund um die Olympiade. Auch hier liegt der Schwerpunkt im Material auf klassischen Ansätzen, wie Postkarten oder Handbüchern.

Rein interaktiv laufen die Maßnahmen von erlassjahr.de, dem Bündnis für eine Entschuldung der ärmsten Länder der Welt, ab. Selbige haben auf ihrer Internetseite ein Tipp-Spiel installiert, welches den TeilnehmerInnen Informationen rund um das Thema Entschuldung an Hand der Teilnehmerländer der Europameisterschaft liefern soll. So soll der sportliche Wettkampf mit der inhaltlichen Arbeit verknüpft werden. Zu gewinnen gibt es u.a. einen fair gehandelten Fussball.

Zum Abschluß möchten wir noch auf eine Kampagne ganz anderer Art verweisen, die bereits zu hoher medialer Aufmerksamkeit geführt hat. Die Initiative für eine österreichfreie Euro 2008 setzt sich dafür ein, dass die österreichische Nationalmannschaft nicht am Turnier teilnimmt, um dem Lang eine Blamage zu ersparen. Dieser augenzwinkernde Ansatz, von den Initiatoren durchaus ernst gemeint, hat bisher mehr mediale Aufmerksamkeit erfahren als alle anderen Kampagnen. Das ist umso erstaunlicher als die Webseite sehr einfach aufgebaut ist, kein großer Etat zur Verfügung stand und nur Flyer und T-Shirts zur Verbreitung der Kampagne genutzt wurden. Offenbar hatte das Thema jedoch eine derartige ‚politische‘ Sprengkraft, dass sich kein Berichterstatter diese Möglichkeit nehmen lassen wollte. Inzwischen ist die Presse-Euphorie aber wieder abgeebbt.

Wir freuen uns natürlich über Ergänzungen zu weiteren Aktionen und Kampagnen rund um die EM!

P.S.: Das Portal Utopia hat kürzlich getestet wie ‚grün‘ die Vereine der ersten Fußball-Bundesliga sind. In der dortigen Tabelle wird Hertha BSC Berlin Meister vor Cottbus. Die Bayern landen nur auf Platz 3.

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