Online Spenden

53 Fundraising-Instrumente in der Übersicht: die "Map of Good"

Kurz notiert: Aktionsformen-Ranking, Richtig schreiben, Map of Good

Die Kampagne „Deine Stimme gegen Armut“ hat kurz vor Weihnachten ihre Unterstützer gefragt, welche Aktionsformen sie gut finden und wie sie sich beteiligen würden. Rund 350 Unterstützer beteiligten sich an der Umfrage. Am besten schnitten niedrigschwellige Angebote ab (Unterschriftenaktion, zu Aktion gehen), weniger attraktiv ist es, mit Bundestagsabgeordneten zu reden oder selbst eine Aktion zu starten.

Tipps zum richtigen Schreiben und Gestalten von Texten auf Webseiten gibt dieser Artikel von Madhuri Shekar. Weil die meisten User Texte in der Form eines „F“ überfliegen, kommt es auf Absätze und (Zwischen-)Überschriften an. Auch dass die wichtigste Botschaft an den Anfang gehört, ist zwar die erste journalistische Regel, wird aber häufig vergessen.

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Schönheit vor Alter? Junge Entwicklungsorganisationen im Fokus

Glaubt man den Ergebnissen repräsentativer Studien, fließen 44 Prozent aller Spenden zugunsten von Entwicklungs- bzw. Nothilfe und werden von Menschen gegeben, die 50 Jahre oder älter sind. Entsprechend ist wenig verwunderlich, dass klassische Entwicklungsorganisationen nicht gerade mit modernen, pfiffigen Kampagnen aufwarten. Dem gegenüber stehen Zahlen, denen zufolge gerade junge Menschen überdurchschnittlich engagiert sind: „Einsatz für die Gesellschaft und für andere Menschen gehört ganz selbstverständlich zum persönlichen Lebensstil dazu“, heißt es in der letzten Shell-Jugendstudie von 2006. Das Ergebnis ist, dass junge Menschen selbst aktiv werden, ihre eigene Entwicklungs-NGO gründen und den etablierten Hilfswerken mit schicken Webauftritten das Fürchten lehren. Zwei Beispiele möchte ich vorstellen.

2aid.org – Wasserspender via Web 2.0

Mitte 2009 hat die Zahnmedizin-Studentin Anna Vikky das Projekt 2aid.org ins Leben gerufen. Mit einigen engagierten Mitstreitern und Unterstützern zieht sie sämtliche Register aktueller Web 2.0-Tools und mobilisiert Spenden für Trinkwasser-Projekte in Afrika. Über Präsenzen auf MeinVz, Twitter (> 1.000 Follower) und Facebook (> 350 Fans) wird um Spenden geworben, die per Überweisung, PayPal oder SMS getätigt werden können. Die ersten 4.000 Euro sind mittlerweile zusammengekommen und an eine US-amerikanische Organisation überwiesen worden, die damit einen Brunnen in Uganda bohren wird. Anna ist derzeit mit Falco, einem Fotografen, vor Ort und schaut sich die Umsetzung an. Sie berichten regelmäßig in einem Video-Blog (Vlog) über die Reise – eine spannende und bisher selten genutzte Kommunikationsform, die leider mit maximal 50 Views noch kaum genutzt wird.

Video Nummer 6 aus dem Vlog von 2aid.org.

100prozentig

So bemerkenswert das Engagement der Fundraiser ist, so stellen aber auch Fragen. 2aid.org wirbt damit, dass 100% der Spenden direkt ins Projekt fließen. Ein ehrenwerter Vorsatz. Viele „neue“ Spendensammler mit dieser Aussage, die jedoch langfristig unrealistisch bis unseriös ist. Bei jedem Entwicklungsprojekt entstehen Verwaltungskosten, angefangen von Server- und Bankgebühren bis hin zu Ausgaben für Werbung und, bei größeren Vorhaben, Personalkosten. Diese Kosten dürfen nicht totgeschwiegen, sondern müssen schlicht und einfach transparent dargestellt werden. Selbst das DZI, das das Spendensiegel vergibt, sagt in seinen Spendertipps „Eine gute Verwaltung ist wichtig“ und hält bis zu 35 Prozent Verwaltungskosten für „vertretbar“. Die Projektreise von 2aid.org nach Uganda haben Anna und Falco aus eigener Tasche bezahlt – zurzeit sammeln sie dafür ebenfalls Spenden: rund 2.200 Euro werden gebraucht… 100%ig also kein Modell für die Zukunft.

Voting über Leben und Tod

Mein zweiter Kritikpunkt richtet sich auf die Auswahl des nächsten Trinkwasserprojekts, das sich 2aid.org ausgeguckt hat – besser gesagt: hat ausgucken lassen. Ganz im Sinne des Web 2.0, wo Userbeteiligung über allem steht, konnte man Anfang des Jahres abstimmen, ob der nächste Brunnen in Kenia, Malawi oder Uganda gebohrt werden soll. Die 148 Twtpoll-User haben entschieden, dass die Menschen in Kenia und Malawi weiterhin ohne sauberes Wasser auskommen müssen.

Klar ist, dass nicht alle drei Projekte gefördert werden können, aber auf welcher Grundlage entscheiden deutsche Internetuser, wo Hilfe am nötigsten und am besten geleistet werden mussen? Klassische Hilfsorganisationen arbeiten mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, zu denen häufig langjährige vertrauensvolle Beziehungen bestehen. Für „Brot für die Welt“ beispielsweise ist die Zusammenarbeit mit Partner vor Ort „wesentliches Merkmal“ der Projektarbeit. Abstimmungen wie die von 2aid.org weisen paternalistische Züge auf und zeigen, dass sich noch nicht überall angekommen ist, dass die aktuelle Entwicklungspolitik eher auf Entwicklungszusammenarbeit setzt, statt auf Entwicklungshilfe, die „nicht von partnerschaftlicher Gleichberechtigung, sondern von der dominierenden Rolle des Fachwissens und des Reichtums geprägt“ ist.

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SocialBar Berlin

Die diesmalige SocialBar Berlin fand im Rahmen der Social Media Week statt, entsprechend prall gefüllt war das taz Cafe. Vorträge gab es zu „Haiti – unter Perspektive sozialer Medien“, „Case Study: Online and Offline Organizing / Issue and Electoral Campaigning“ und ich habe eine Präsentation zu „Online Fundraising: Trends, Tendenzen und Potentiale“ gehalten.

Diese Präsentation kann hier heruntergeladen werden. Kommentare erwünscht!

Spenden sammeln online

Spenden sammeln an sich ist ein mühsames Geschäft, dennoch ist es für viele NGOs entschiedend, um die eigene Arbeit fort- und umsetzen zu können. Inzwischen nutzen viele NGOs, insbesondere natürlich die ‚größeren‘, auch die Möglichkeit der Onlinespende. Internetnutzer können direkt auf der Homepage der NGO spenden – mit Kredikarte oder Einzugsermächtigung. Als besonders erfolgreich hat sich dabei das Projekt-orientierte Spendensammeln herausgestellt: sprich, es wird nicht für die Arbeit der NGO an sich, sondern für ein konkretes, einzelnes Projekt gespendet. Dabei ist es auch hilfreich genaue Zielsummen, die erreicht werden sollen (z.B. ‚Wir brauchen 1000 Euro um einen Brunnen in diesem Dorf zu bauen‘), zu definieren. Gerade in den angelsächsischen Ländern haben mit dieser Methose auch schon sehr kleine Organisationen große Erfolge erzielt. Dabei erfolgt das Spendensammeln häufig gar nicht über die eigene Homepage, sondern über Spendenportale. Selbige stellen den NGOs kostenlos oder gegen geringe Gebühren ihre komplette Infrastruktur zum Spendensammeln zur Verfügung, insbesondere die technisch sichere Abwicklung der Geldtransaktionen. Der Vorteil für die NGOs liegt auf der Hand: sie müssen keine Gelder in die Entwicklung und Betreuung einer Online-Spendenseite stecken und sie erreichen über ein Portal möglicherweise noch ganz neue oder andere Zielgruppen. Gleichzeitig benötigt die Zusammenarbeit mit einem ‚fremden‘ Portal aber auch viel Vertrauen – sowohl auf Seiten der NGO als auch des potentiellen Spenders. In Deutschland bietet elargio einen derartigen Service an.

Ein aktuelles Beispiel aus England zeigt, wie erfolgreich derartige Portale und gezieltes, projektbezogenes Spendensammeln sein kann. Gestern hat die British Humanist Association über das Portal Justgiving eine Kampagne mit dem Titel Atheist Bus Campaign“ gestartet. Das erklärte Ziel war es Geld zu sammeln für eine Werbekampagne, welche auf 30 Bussen in London für vier Woche lang gezeigt werden soll. Der Slogan auf den Bussen soll „There’s probably no God. Now stop worrying and enjoy your life.“ lauten. Hierfür wurden 5.500 Pfund benötigt. Innerhalb kürzester Zeit wurde dieses Spendenziel erreicht – und noch viel mehr: der aktuelle Stand nach 36 Stunden beträgt fast 55.000 Pfund, also das zehnfache des benötigten Betrages! Ein riesiger Erfolg, der fast nur auf dem Internet basiert. Was genau ist passiert?

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