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#rc11 Programmheft (Foto: recampaign/ Flickr)

re:campaign Rückblick: So schaffen NGOs die besten Kampagnen im Netz

Wer im deutschsprachigen Raum im Bereich „Onlineaktivismus und NGOs“ arbeitet, kommt an der re:campaign nicht vorbei. Zum zweiten Mal trafen sich NGOler, Aktivisten und Social-Media-Profis in Berlin zur Diskussion über „Die besten Kampagnen im Netz“. Der Mix aus Politik, Debatte über Strategien, Techniktipps und Erfahrungsaustausch war sehr gut, auch dank hervorragender Organisation. Ein Rückblick.

One foot on the ground

Jillian C. York holte die Teilnehmer in ihrer Keynote gleich zu Beginn im wahrsten Sinne des Wortes auf den Boden der Tatsachen zurück, als sie die von den klassischen Medien als „Facebook-/ Twitter-Revolutionen“ bezeichneten Umbrüche in Nordafrika neu einordnete: Bewegungen beziehen ihre Stärke immer, weil sie einen Fuß im Cyberspace haben, aber – noch wichtiger – einen Fuß auf der Erde. Diese Notwendigkeit der Verbindung von Online- und Offline-Aktivitäten zog sich durch nahezu alle Sessions – und zeigte eine erfreuliche Weiterentwicklung gegenüber der Debatte von vor ein, zwei Jahren, als viele die NGO der Zukunft schon als virtuelle, Online-NGO sahen.

Auch Oliver Zeisenberger stieß mit seiner – hoch gelobten, von mir leider verpassten Session – in diese Kerbe, als er erläuterte „Wie Politiker ticken“: Likes und Tweets machten auf reale politische Prozesse wenig Eindruck, ein Tweet werde erst relevant, wenn er in der Bild-Zeitung stehe.

Trending Topics: Mobile und Monitoring

Zwei Themen der re:campaign werden in Zukunft zunehmende Bedeutung für die Kampagnenarbeit von NGOs haben. Zum einen der Bereich Mobile/SMS und zum anderen die Frage des Monitorings und der Evaluation von Social-Media-Aktivitäten.

Patrick Meier erwähnte en passent in seiner Keynote über den Crowdsourcing-/Mapping-Dienst Ushahidi die Crowdmap vor, eine Mobile-App mit der Smartphone-Nutzer einchecken können, ähnlich wie bei Foursquare oder Facebook Places. Bei der Verknüpfung von geografischen Orten und eingegebenen Informationen, kann man sich einfach Anwendungsmöglichkeiten auch in Deutschland vorstellen, bspw. bei Demonstrationen oder bundesweiten Aktionen. Das Open-Source-Tool bietet enormes Potenzial. Laura Walker Hudson stellte die Software FrontlineSMS vor, mit der Unterstützer per SMS angesprochen werden können, nicht zum Fundraising – eine Methode, die mir im deutschsprachigen Raum bisher nur vom Team Österreich bekannt ist, wo Helfer im Katastrophenfall per SMS rekrutiert werden. Das Rote Kreuz Österreich kommuniziert auch mit Blutspendern via SMS.

Beim Thema Monitoring und Evaluierung von Social Media-Aktivitäten im NGO-Bereich ist die Debatte seit der letzten re:campaign vor einem Jahr nicht wirklich weitergekommen. In der Barcamp-Session von Ole Keding zu Qualitätskriterien von polititischen Online-Kampagnen herrschte am Ende Ratlosigkeit. Anna-Maria Zahn stieß mit ihrem Vortrag über „Social Media Monitoring“, der an eine Verkaufspräsentation erinnerte, beim NON-Profit-Publikum auf Unverständnis.

Spielerisch die Welt verbessern

Während auf der re:publica einen Tag vor der re:campaign der Bereich Gaming (Serious Games, Games for Activism,…) einen eigenen Strang im Programm hatte, ist das Thema noch nicht wirklich zu den NGOlern durchgedrungen. Auch das dürfte sich bis zum nächsten Jahr ändern. Beim britischen Pendant zur re:campaign, dem eCampaigning Forum (ECF) wurde es bereits diskutiert, auch in Deutschland weiß ich von mindestens zwei Organisationen, die dieses Jahr noch eigene Spiele veröffentlichen wollen.

Praktisches für Praktiker

Schließlich möchte ich auch die sehr konkreten Sessions noch erwähnen, die einen direkten Nutzen für die Praktiker der Organisationen bieten. Duane Raymond, Organisator des ECF und der eCampaigning-Papst schlechthin hat in seinem Plädoyer für E-Mail-Aktionen wichtige Tipps zur richtigen Gestaltung gegeben (gute Zusammenfassung hier).

Das erstmals vorgestellte Kampagnen-CMS C3k, das Campact derzeit entwickelt könnte zu einem richtig guten Tool für NGOs werden – wenn Campact es versteht, die Vorzüge richtig verkauft, dazu zählt auch ein griffiger Name.

Und schließlich bietet das Tool policat, das Daniel Pentzlin von FOE Europe im Open Space vorstellte, eine hervorragende Open-Source-Lösung für mehrsprachige Online-Petition mit Widgetfunktion, das heißt sie kann auf beliebig vielen (Unterstützer-)Webseiten eingebunden werden (wir testen das Tool und stellen es demnächst hier vor).

Die wichtigsten Links:

 

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