Kampagne 2.0

Modernes NGO-Campaigning

Kampagnenvideos im Netz verbreiten sich nicht von alleine

11 Tipps zur Verbreitung von NGO-Videos im Netz

| 7 Kommentare

Klar ist: Ein mit viel Herzblut und Aufwand produziertes Video einer möglichst großen Zahl von Zuschauern zu zeigen, ist mühsam. Dennoch kann ein viral verbreiteter Film den Kampagnenerfolg maßgeblich beeinflussen. Nicht zuletzt sind die “View-Zahlen” eine wichtige Rechtfertigung für das Produktionsbudget. Deshalb ist ein Videoprojekt mit dem Hochladen auf eine Videoplattform erst zur Hälfte geschafft und nicht zu Ende.

Bei der re:campaign bin ich gemeinsam mit Cornelia Reetz von Film4Change der Frage nachgegangen, wie Non-Profit-Organisationen ihre Videos im Netz verbreiten können. Welche Erfolgsfaktoren und Verbreitungsstrategien gibt es, damit möglichst viele Zuschauer den Kampagnenclip ansehen und – das ist in der Regel das Ziel – dem darin enthaltenen Aktionsaufruf (Call-to-Action) folgen? Das Ergebnis der Diskussion in der Barcamp-Session sind diese 11 Tipps für die Verbreitung von NGO-Videos.

  1. Richtig hochladen. Das Video muss bei Youtube suchoptimiert eingestellt werden (SEO). Tipps dazu hat Cornelia hier zusammengestellt. Youtube ist zwar die wichtigste Video-Plattform in Deutschland, andere Portale wie MyVideo oder Vimeo werden von anderen Zielgruppen genutzt, ein Upload lohnt also auch dort.
  2. Eigene Community informieren. Eure eigene Community ist die erste Adresse, wenn ihr Eure Videos verbreiten wollt. Den Link auf den eigenen Social-Media-Kanälen posten ist Pflicht, bei Twitter gerne auch mehrfach. Eventuell macht eine klassische Pressemitteilung Sinn. Das bestehende Netzwerk der Organisation Invisible Children hat der Verbreitung von “Kony 2012″ den nötigen Anschub gegeben. Der Aufbau von Sozialkapital hat hier einen konkreten und nachweisbaren Nutzen gebracht. “Kony 2012″ wurde bis heute mehr als 90 Millionen Mal angeklickt.
  3. Blogger ansprechen. Nach einer Analyse der Bloglandschaft (Wer bloggt zu den eigenen Themen? Wer hat in der Vergangenheit über meine Organisation geschrieben?), kann es sinnvoll sein, relevante Blogger in einer – möglichst persönlichen – E-Mail über den neuen Clip zu informieren. Greift er/sie das Thema auf, “bedankt” Euch mit einem Tweet oder Facebook-Post. Seid Euch bewusst, dass nicht alle Blogger auf solche Bitten positiv reagieren, auch beim Posten des Links in Kommentarfeldern in fremden Blogs etc. solltet ihr vorher überlegen, ob das nicht nach hinten losgehen kann.
  4. Foto: Jörg Farys/ Die Projektoren

  5. Kollegen einspannen. Bittet die Kolleg/innen in Eurer Organisation und auch Freunde, das Video in relevanten Foren und Netzwerken als Privatpersonen zu posten, vor allem da, wo Eure Organisation nicht vertreten ist oder sein kann (Xing etc.).
  6. Mitbewerber des Kampagnengegners informieren. Fahrt ihr eine Kampagne bspw. gegen ein Unternehmen, könnten deren Konkurrenten interessiert sein, Euer Video zu verbreiten.
  7. Beim Gegner posten. In den Kommentarfeldern der Social-Media-Kanäle des Kampagnengegners wird ein Video sicher wahrgenommen. Gleichzeitig könnt ihr in die Debatte mit dem Gegenüber einsteigen.
  8. Influencer ansprechen. Wenn ein Prominenter mit vielen Followern oder Fans den Link zu Eurem Video twittert oder postet ist das Gold wert. Bei “Kony 2012″ wurde daraus eine Kampagne in der Kampagne gemacht. Unterstützer wurden aufgefordert, Promis auf das Video hinzuweisen. “Ellen Degeneres (@TheEllenShow), for example, saw over 36,000 mentions from different users pleading her to respond to the cause”, schreibt Gilad Lotan auf Socialflow. Denkt aber vorher über mögliche Effekte auf Euer Image bei den Promis nach.
  9. Crossmedial denken. Bei “Kony 2012″ wurde ein Kampagnenvideo mit Merchandising und Offline-Events verbunden, auch so wird Aufmerksamkeit geschaffen. Denkt auch an das klassische Fernsehen: Läuft Euer Clip (gegen Bezahlung oder pro bono) im Mainstream-TV steigen Zugriffe auf Webseite und Youtube-Film nachweislich an.
  10. Facebook-Werbung schalten. Bindet das Video auf einem Facebook-Tab ein und schaltet für kleines Budget Werbeanzeigen, die direkt auf den Tab führen. Auf dem Tab habt ihr natürlich neben dem Video einen Like-/Share-Button eingefügt…
  11. YouTube-Werbung schalten. In den Suchresultaten von YouTube werden, genau wie bei Google, auch gesponserte Resultate angezeigt. Wenn ihr zum Beispiel ein Video über ein Kinderkrankenhaus produziert habt, könnt ihr YouTube dafür bezahlen, einen Link zu diesem Video anzuzeigen, wenn jemand nach „Kinderkrankenhaus“ sucht.
  12. Seeding-Agentur beauftragen. Geht es Euch ausschließlich um hohe Klickzahlen (weil ihr unterstellt, dass das Video dann automatisch als relevant gilt und von noch mehr User angeklickt wird), könnt ihr spezialisierte Agenturen beauftragen, Euren Film zu “seeden” (auszusäen). Für eine bestimmte Summe wird eine bestimmte Zahl von Klicks garantiert. Abgesehen davon, dass es NGOs meist nicht um die nackte Zahl geht, dürfte es i.d.R. das Budget sprengen. Dennoch soll es der Vollständigkeit halber erwähnt werden.

Welche weiteren Tipps und Tricks kennt ihr, um Videos online zu verbreiten? Wir freuen uns über Kommentare. Herzlichen Dank an die Teilnehmer der Session bei der re:campaign, u.a. von Greenpeace, Caritas, Global Zero, die mit ihren Erfahrungen wichtige Hinweise gegeben haben (wer vergessen wurde, bitte melden).

7 Kommentare

  1. Kaum war der Artikel veröffentlicht habe ich in der “Checkliste für Blogger” der Karrierebibel noch einen sehr gut übertragbaren Tipp gefunden:

    12. Link in die Signatur setzen. Bittet Eure Kolleg/innen einen Link zum Video in ihre E-Mail-Signaturen zu setzen.

    (via @klauseck)

  2. ganz herzlichen dank…. uk

  3. Hallo, noch eine Kleinigkeit (hatte ich auch bei der re:campaign gesagt, ist aber irgendwie unter gegangen): Je nach Thema bringt es auch was, eine Pressemitteilung in eine der offenen PR-Portale zu stellen, die es so gibt (ich nenne jetzt keine Namen, aber wenn ihr danach googlet, findet ihr etliche). Diese landen dann nämlich bei Google News etc. und das kann – eben je nach Thema / Schlagwort – auch noch mal was bringen. lg, Ilona (fuereinebesserewelt.info)

  4. Vielen Dank für die informative Session bei der re:campaign. Habe daraufhin gleich mal unser neues Kampagnenvideo bei YouTube “optimiert”. Mal sehen, ob sich die zugriffe dadurch steigern lassen ;-)
    Jeder verdient Gesundheit

  5. Lieber Björn,

    ich habe mit Genuss den Artikel “11 Tipps zur Verbreitung von NGO Videos im Netz” gelesen. Da ich selber intensiv im Bereich Video & NGO arbeite – aber mit anderem Focus: Schau doch bitte mal auf den Blog
    http://ngovideo.blogspot.de/

    ob Du ihn auch in Dein Blogroll einbinden willst. Ich muss mein Blogroll erst noch erstellen, dann würde ich aber – und das tu ich unabhängig von obigem – auch Deinen Blog mit einbinden, der mir gut gefällt, weil er oft sehr praktisch ist.

    Mein Hauptthema ist NGO-”Videocontent”, also, was eigentlich einen guten Video-INHALT ausmacht…und wie man z.B. auf Ideen kommt.

    kollegialen Gruße von mir

    Jan Heilig

    http://www.filmbit.de
    http://www.fundraisingclips.de
    http://www.betterimageclip.de

  6. Hallo! Sie haben echt sehr nützliche und erfolgreiche Strategien erwähnt. Das ist eine sehr gute Check-Liste für jedermann der seine Videos viral verbreiten möchte.

    Besten Dank! Grüße, Udo!

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